01 / PEINLICH?Wir haben den
Pups gehört.
Beim Anspannen. Beim Aufstehen. In der einen Sekunde, in der der ganze Raum still wird. Wir haben ihn gehört. Wir finden es manchmal wahnsinnig komisch und beißen uns auf die Lippe. Das ist die ganze dramatische Wahrheit.
Wenn du lachst, lachen wir mit. Wenn du rot wirst, machen wir einfach mit der Übung weiter. Kein Coach führt eine heimliche Strichliste. Also bitte nicht fünf Minuten über die Entschuldigung nachdenken, während du deine nächste Wiederholung verpasst.
02 / AUFWÄRMENDrei Kilometer Rad.
Kein Freifahrtschein.
„Warm bin ich schon. Ich bin mit dem Rad gekommen.“ Wir wissen. Dein Puls vielleicht auch. Deine Schulter hat auf dem Sattel trotzdem keine einzige Überkopfbewegung vorbereitet. Und die erste schwere Kniebeuge wird nicht dadurch klug, dass du vorher an drei Ampeln gehalten hast.
Unter fünf Kilometern Radweg ist der Weg zum Training. Dein Aufwärmen für die heutige Einheit machen wir hier. Wenn du uns dafür genervt anschaust: Das halten wir aus.
03 / KRAFTDie 4-Kilo-Hantel
macht dich nicht zum Hulk.
„Ich will aber nicht so viele Muskeln.“ Diesen Satz hören wir auffällig oft von Frauen, die im nächsten Satz sagen, dass sie sich kräftiger fühlen und Treppen leichter schaffen wollen. Da müssen wir kurz innerlich bis drei zählen. Nicht wegen dir. Wegen einer Angst, die Frauen seit Jahren eingeredet wird.
Muskelaufbau ist Arbeit, kein Versehen. Niemand wacht nach zwei Übungen mit fremden Schultern auf. Wenn dich das Bild im Kopf vom Anfangen abhält, sprechen wir darüber. Die Hantel verhandelt übrigens nicht mit Instagram-Filtern.
04 / WISSENWir googeln.
Auch als Profis.
Manchmal fragst du etwas, und wir wissen es nicht. Dann schlagen wir nach. Wir lesen nach. Wir fragen jemanden, der es besser weiß. Wenn du einen Coach willst, der zu jeder Diagnose und jedem Nahrungsergänzungsmittel in drei Sekunden eine Antwort hat, wirst du im Internet reichlich selbstsichere Menschen finden.
Uns ist lieber, du bekommst morgen eine belastbare Antwort als heute irgendeine. Und wenn wir bei einem Symptom an unsere Grenzen kommen, schicken wir dich zur passenden medizinischen Abklärung. Kompetenz ist auch, die eigene Grenze zu kennen.
05 / TONBeschimpf uns.
Wenn wir beide lachen.
Nach dem dritten Satz „Ihr seid doch krank!“ oder ein erschöpftes „Ich hasse euch“: Wenn du dabei grinst, grinsen wir zurück. Da sitzt jemand vor uns, der gearbeitet hat. Wir mögen dieses Geräusch von Protest ziemlich gern.
Was wir nicht mögen: Leute, die echten Frust an uns abladen und andere kleinmachen. Wir sind Coaches, keine Blitzableiter. Wir sagen Stopp. Und ja, an schlechten Tagen bitten wir dich genauso direkt, uns zu sagen, was los ist.
06 / ALLTAGDein Stress ist real.
Unsere Zeit auch.
„Heute war wieder alles stressig.“ Das glauben wir dir. Wenn du aber jedes Mal zehn Minuten zu spät kommst, vorher noch telefonierst, beim Aufwärmen Mails beantwortest und nachher sagst „Wir haben ja kaum trainiert“, möchten wir manchmal den Kalender gegen die Wand werfen. Tun wir nicht. Wir fangen mit den Minuten an, die noch da sind.
Meckern darfst du. Auch mal laut. Nur: Wenn dein Alltag seit Monaten bergab geht und jeder konkrete Vorschlag sofort mit „geht nicht“ endet, werden wir dich nicht mit „Du machst das toll“ verabschieden. Wir sagen, was wir sehen. Sonst wären wir Dekoration mit Stoppuhr.
07 / MUSKELKATERWir verkaufen kein
Muskelkater-Abo.
„Ich kann morgen noch laufen. Haben wir überhaupt richtig trainiert?“ Ja. Deine Beine müssen keine Treppe boykottieren, damit die Stunde etwas gebracht hat. Wenn du nur zufrieden bist, sobald Sitzen zur Mutprobe wird, verwechselst du Training mit einer Strafe, die du selbst bestellt hast.
Auch „Mach mich heute komplett fertig“ hören wir. Manchmal geben wir Gas. Manchmal wäre das einfach eine schlechte Idee, weil du danach drei Tage ausfällst. Wir planen für deinen Fortschritt, nicht für einen spektakulären Heimweg.
08 / TRAININGSPLANDein Algorithmus
ist kein Coach.
Montag schickst du uns ein Reel für „den einen Po-Move“. Mittwoch soll es plötzlich nur noch Mobility sein. Freitag hat jemand im Podcast gesagt, alle Kniebeugen seien falsch. Wenn wir jede neue Eingebung sofort zum Trainingsplan machen, trainieren wir am Ende nur noch deinen Feed.
Zeig uns die Videos ruhig. Wir schauen hin und ändern den Plan, wenn es einen guten Grund gibt. Aber wir werfen nicht alle zwei Wochen weg, was gerade anfängt zu funktionieren. „Neu“ ist noch kein Trainingsziel.
09 / FORTSCHRITTDie Waage kann
keine Treppen steigen.
Du kommst die Treppe hoch, ohne anzuhalten. Die Einkaufstaschen fühlen sich leichter an. Du hebst mehr als vor sechs Wochen. Dann kommt: „Ja, aber auf der Waage hat sich nichts getan.“ Wir würden das Messgerät in dem Moment gern kurz vor die Tür stellen.
Wenn Gewichtsveränderung dein Ziel ist, nehmen wir es ernst. Aber wir lassen nicht zu, dass eine einzige Zahl jeden anderen Fortschritt für ungültig erklärt. Sie sagt nichts darüber, wie du dich bewegst, wie belastbar du wirst oder was du im Alltag wieder kannst.
10 / RÜCKMELDUNG„Geht schon“
ist keine Antwort.
Wir fragen bei einer Übung: „Wo merkst du das?“ Du sagst „Passt“, obwohl du die Luft anhältst, den Fuß anders aufsetzt und hinterher erzählst, es habe ab der dritten Wiederholung unangenehm gezogen. Das wäre eine verdammt nützliche Information gewesen. Bei Wiederholung drei.
Wir können die Übung leichter, anders oder ganz neu machen. Bei Schmerzen stoppen wir und klären, was zu tun ist. Dafür brauchen wir deine Rückmeldung, während wir noch etwas ändern können. Gedankenlesen steht nicht in unserem Vertrag.